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Wer war Vizeadmiral Ruge?

Geboren am 24. Dezember 1894 in Leipzig trat der Sohn eines Gymnasialdirektors 1914 in die Kaiserliche Marine ein und erlebte als Wachoffizier auf Torpedobooten den Ersten Weltkrieg und das Kriegsende 1918. An Bord des Großen Torpedobootes B 110 ging Ruge in die Internierung der Kaiserlichen Hochseeflotte nach Scapa Flow, wo das Boot wie die gesamte Hochseeflotte am 21. Juni 1919 von der eigenen Besatzung versenkt wurde. Nach britischer Kriegsgefangenschaft kehrte Ruge im Januar 1920 nach Deutschland zurück und wurde von der -auf 15000 Mann verkleinerten -Reichsmarine übernommen. Der im August 1920 geschlossenen Ehe mit Ruth Greef (verstorben 1967) entstammen vier Kinder.

Zwischen 1920 und 1939 durchlief Ruge verschiedene Stabs- und Frontverwendungen, entwickelte sich dabei zu einem anerkannten Minenabwehr-Spezialisten, studierte einige Semester an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg und absolvierte mehrere Sprachstudien (Dolmetscher-Examina in Englisch und Italienisch). 1928 besuchte Ruge erstmals die Vereinigten Staaten von Amerika.

Seit Frühjahr 1937 Führer Minensuchboote, erlebte Ruge (Januar 1939 zum Kapitän zur See befördert) in dieser Dienststellung den Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939. Im Verlauf des Krieges bekleidete Ruge folgende Positionen:

{short description of image} Führer der Minensuchboote Ost (und anschließend West),,
{short description of image} Befehlshaber Sicherung West,
{short description of image} Chef des Sonderstabes für Geleitfragen beim Deutschen Marinekommando Italien,
{short description of image} Befehlshaber des Deutschen Marinekommandos Italien,
{short description of image} Admiral bei der Heeresgruppe B (Generalfeldmarschall Rommel),
{short description of image} Chef des Konstruktionsamtes im Oberkommando der Kriegsmarine.

Beförderungen:
1. Februar 1940 zum Kommodore,
1. April 1941 zum Konteradmiral,
1. Februar 1943 zum Vizeadmiral.

Aus der Kriegsgefangenschaft (seit Mai 1945) im Dezember 1946 entlassen, verdiente Ruge bis 1949 den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als Lehrer und Dolmetscher für Englisch; 1949 bis 1952 war er Mitarbeiter im "Naval Historical Team", das unter US-amerikanischer Aufsicht die Kriegserfahrungen der Kriegsmarine vor allem gegen die Sowjetunion aufarbeitete. Gleichzeitig engagierte sich Ruge im Verband deutscher Soldaten, für die Arbeitsgemeinschaft demokratischer Kreise sowie im 1952 neu gegründeten Deutschen Marinebund (Organisationsleiter). Von 1952 bis 1954 war Ruge Stadtrat in Cuxhaven (Vorsitzender des Kulturausschusses).Die schon in der Zwischenkriegszeit begonnene schriftstellerische Tätigkeit zu (marine)geschichtlichen Themen setzte Ruge nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt fort: u.a. erschienen "Entscheidung im Pazifik" (1951); "Der Seekrieg 1939 - 1945" (1954); "Rommel und die Invasion" (1959); "Politik und Strategie" (1967); "Im Küstenvorfeld" (1974).

1954 verlegte Ruge seinen Wohnsitz nach Süddeutschland. 1956 ernannte ihn die Regierung unter Bundeskanzler Konrad Adenauer zum (ersten) Inspekteur der Marine. Seine vielfältigen internationalen Kontakte sowie seine Kenntnisse und Erfahrungen sowohl im Bereich der Minenkriegführung als auch im Kriegsschiffbau waren hierfür entscheidend. Nach seiner Pensionierung 1961 lebte Ruge einen aktiven Ruhestand als Honorarprofessor für Politikwissenschaft an der Universität Tübingen und viel gefragter Zeitzeuge bis zu seinem Tod am 3. Juli 1985.